Donnerstag, 30. Juli 2015

News: Los geht's - Wanderlust bei Matthes & Seitz, Berlin

Eine sehr prosaische Presseerklärung gab "Matthes & Seitz Berlin" heraus, die ich unverändert übernehmen möchte!


Eine Wanderung ist immer etwas besonderes. Nur von der Kraft der eigenen Muskeln getragen, setzt sich der Wanderer der Welt aus. Mit jedem Schritt geht er auf sie zu. Die Langsamkeit des Gehens befreit ihn von der Geschwindigkeit der Welt. David Le Breton beschwört die Kraft dieser gleichförmigen Bewegung. In seinem kulturphilosophischen Essay »Lob des Gehens« (aus dem Französischen übersetzt von Milena Adam) erzählt er von Schriftstellern, Dichtern und Philosophen, die dem Gehen zu Recht verfallen waren:
»Das Gehen ist der Triumph des Körpers, mit unterschiedlichem Klang, je nach Freiheitsgrad des Gehenden. Es ermöglicht die Entwicklung einer grundlegenden Philosophie der Existenz über eine Reihe kleiner Nichtigkeiten, es bringt den Reisenden für einen Moment dazu, über sich selbst nachzudenken, seine Beziehung zur Natur oder zu anderen, über eine Fülle unerwarteter Fragen nachzusinnen.«
Hautnah erlebt man die Strapazen und die Freuden der Wanderschaft in Tomas Espedals »Gehen oder die Kunst ein wildes und poetisches Leben zu führen« (übersetzt von Paul Berf). Immer wieder hat der Norweger gehend Europa durchmessen, auf den Spuren seiner literarischen Vorbilder und auf denen von Bergziegen und Schafen. Sein Roman, der aus den auf allen Wegen mitgeführten Notizbüchern entstand, spiegelt seine abenteuerreichen Reisen, deren Härten durch wildes Glück entgolten werden.
»Am Abend erreichen wir, am Ufer gehend, das kleine Dorf, es ist dunkel. Wir sind in der Dunkelheit der Landstraße gefolgt, auf dem Asphalt, unsere Beine sind geschwollen, die Blasen brennen wie offene Wunden, die Schultern schmerzen, die Rücken schmerzen, die Köpfe schmerzen; wie langsam der Gehende ist, wie furchterregend hilflos er doch ist, in der Dunkelheit, auf der Straße, so klein, so nichtig auf der Straße, in der Finsternis; Straße und Himmel, sie laufen in einem großen dunklen Nichts zusammen. Warum gehen wir hier und wohin? Warum schlafen wir nicht in einem Bett, einem Haus, einem Zuhause, zusammen im gleichen Zimmer; aufwachen und einschlafen geschehen gleichzeitig, ist es nicht so? Wenn man liebt? Die Liebe verlangt von uns, dass wir nicht fortgehen, dass wir sesshaft werden, an einem Ort bleiben; Bewegung ist Einsamkeit.

 Wir gehen am Ufer entlang, suchen nach einem Platz zum Schlafen. Das Licht aus den Häusern, Wohnungen, Heimstätten, eine Pension, zwei Betten frei in einem Zimmer, wir gehen hinein. Wir haben einen guten Platz zum Schlafen gefunden. Ziehen uns aus, legen uns auf die Betten und rauchen, teilen uns eine Flasche Raki, den wir mit Wasser verdünnen. Der gute Rausch. Wie schön es doch ist, in einem Bett zu liegen und Zigaretten zu rauchen. Wir hören die Geräusche aus der Bar vor dem Fenster, Musik, Lou Reed, Lachen und klirrende Gläser; wie schön es doch ist im Bett zu liegen und die Stimmen junger Frauen zu hören, die etwas trinken.«

Freitag, 17. Juli 2015

News: Sensationeller Manuskriptfund

Randomhouse und der DVA-Verlag  stellen in ihrem Newsletter eine Sensation in Aussicht:


Die Nachricht dieses Fundes sorgte in der Literaturwelt für helle Aufregung: das Erstlingswerk von Harper Lee, Autorin des weltberühmten Romans "Wer die Nachtigall stört", wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen. 2014 wurde es überraschend gefunden und ist gerade in deutscher Übersetzung erschienen – das literarische Ereignis im Sommer 2015!

In „
Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend – ein Roman, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht.


Mittwoch, 15. Juli 2015

News: Frauen sind auch nur Männer

Randomhouse und der Heyne-Verlag stellen vor:

Satire, Ironie, tiefere Bedeutung: Karaseks kleines Welttheater unserer Zeit schert sich um kein Tabu

"Frauen sind auch nur Männer"


Hellmuth Karasek erzählt von starken Frauen, die auch nur Männer sind, von Bunga-Bunga in mediterranen Lotterbetten, von Kuckucksuhren und Pleitegeiern, von Deutschen, die immer Vorfahrt und immer recht haben, von liberalen Doktorspielen und vom Einmarsch der Plagiatoren, von der falsch verstandenen Toleranz der Weichspüler in den deutschen Feuilletons, von den Plackereien des Alters und den Tücken der Reisen mit der Bahn. Seine pointierten Glossen zeugen von gnadenloser Beobachtungsgabe, Selbstironie und der Erkenntnis, dass wir gern über das lachen, wovor wir Angst haben.

 

Samstag, 11. Juli 2015

Jochen-Martin Gutsch, Maxim Leo: Sprechende Männer

Schon der Titel macht stutzig: "Sprechende Männer". Natürlich sprechen Männer, sie unterhalten sich, sie halten Vorträge und erzählen Geschichten. Darüber ein Buch zumachen, das den Untertitel "Das ehrlichste Buch der Welt" trägt, macht neugierig.
Schon der Vorspann macht deutlich, daß ein anderes "Sprechen" von den beiden Journalisten gemeint ist. Klar, in der Medienwelt ist vieles anders und Journalisten reden gerne. Und die beiden leben in verschiedenen Welten, verschiedenen "Männerwelten". Der eine (Jochen-Martin Gutsch) ledig und los, der andere (Maxim Leo) verheiratet, mit zwei Kindern. Beide um die 40 Jahre alt.

Um das Gespräch zu vervielfältigen fand sich auch ein Verleger, der eine Vorgabe machte: "Ihr macht ein Experiment. Das längste Männergespräch der Welt. Total offen, intim, ehrlich. Ohne Tabus." Er ergänzte und jetzt wird es ehrlich: “Ihr sollt gar kein Männergespräch führen, sondern ein Frauengespräch.”
Liest man dann in den Gesprächen, weiß man was gemeint ist. Kein Mann würde sich in die Kneipe (oder wo soll so ein Gespräch stattfinden: im Büro, in einem Restaurant, Zuhause?) setzen und mit seinem Kumpel, auch nicht mit seinem besten, solche Inhalte in dieser Form bereden.

Die nächste Einschränkung folgt auf der gleichen Seite: Kommuniziert wird per eMail. “Also keine Telefonate, kein Treffen – nur die E-Mails.” Tja, damit ist der Effekt des Gespräches dahin. Jetzt ist klar, das können sogar Männer, ins Besonderen wenn es Journalisten sind, schreiben lässt sich über jedes Thema. Dem anderen in die Augen schauen und dabei intime Gespräche führen, nein, dafür sind Männer nicht geschaffen.

Also, bevor der Spaß beginnt, muß man feststellen, daß "Das ehrlichste Buch der Welt", auf zwei Lügen basiert: 
Erstens ist es kein Männergespräch, sondern ein Frauengespräch, das von zwei Männern nachempfunden wird. 
Und zweites ist es kein Gespräch, sondern ein eMail-Austausch.

Das soll nur niemanden davon abhalten, das nach Themen und Tagen gegliederte Werk zu lesen, es gibt genug Passagen, die es wert sind. Das ist jedoch kein Männer-, sondern ein Frauenbuch!

 
Erschienen beim "Karl Blessing Verlag", München 2011. ISBN: 978-3-89667-440-1



(Ich habe das Format verändert, es gibt keine Links mehr zu Anbietern, die stehen zur Genüge bei den Verlagsinformationen, die sich nunmehr hinter dem Link des ISBN verstecken.)


Dienstag, 7. Juli 2015

News: Aus dem "Heise"-Verlag

Neues Telepolis-Buch: „Das gekaufte Web“

Wie wir online manipuliert werden


Hannover/München, 7. Juli 2015 – Geschönt, gefälscht, gekauft: Im aktuellen Buch des Online-Magazins Telepolis (http://www.heise.de/tp/buch/default.html) thematisiert der Autor und Blogger Michael Firnkes die zunehmenden Manipulationen im Netz. Gleichzeitig plädiert er in seinem Buch „Das gekaufte Web“ für ein nachhaltig unabhängiges Internet.

Was wir auf Webseiten, in Blogs und sozialen Netzwerken lesen, ist immer öfter verfremdet und manipuliert. Gefälschte Inhalte werden genutzt, um versteckte Werbung zu platzieren und Einnahmen zu generieren. Auch um die öffentliche Meinung zu Gunsten von Interessensverbänden und der Politik zu steuern, werden häufig geschönte Meldungen veröffentlicht.

„Über gezielte Desinformation, versteckte Werbung, gekaufte Google-Platzierungen und vieles mehr wird der Nutzer zum Spielball auf diesem Milliardenmarkt“, schreibt Michael Firnkes. Einen Link zu kaufen ist deutlich schneller und praktischer, als umständlich mit guten Inhalten zu arbeiten, die durch ihren Mehrwert von ganz allein externe Verweise auf sich ziehen.

Darüber hinaus befeuern die neuen Technologien den Trend zu rein künstlich generiertem Content. Laut Firnkes sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir uns entscheiden müssen: zwischen einem „freien“ oder einem von kommerziellen Interessen beherrschten World Wide Web.
Das 324 Seiten starke Telepolis-Buch deckt auf verständliche Weise die unterschiedlichen Methoden der Manipulation auf. Es zeigt, wie fremdgesteuerte Inhalte alle Internetnutzer betreffen, geht aber gleichzeitig auf mögliche Auswege und Lösungsmöglichkeiten ein. So stellt Firnkes Thesen für ein besseres Internet auf, unter anderem, dass man digitale Mündigkeit auch lernen kann.

Bibliografische Angaben:„Das gekaufte Web“
Wie wir online manipuliert werden
Michael Firnkes
Verlag Heinz Heise
324 Seiten, 18,95 Euro (D) / 19,50 Euro (A)
ISBN: 978-3-944099-08-8
Hashtag zum Buch: #GekauftesWeb