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Sonntag, 9. Mai 2021

Vorab: Sahra Wagenknecht - "Die Selbstgerechten"

 Mich wundert es nicht, daß es Sahra Wagenknecht bedarf, die "Linke" aufzurütteln, wenn denn die "Livestyle-Link" dazu überhaupt in der Lage ist. Wagenknecht  findet klare Worte zu Sachverhalten, die überdeckt werden von den Worthülsen der selbsternannten "Experten" (so nenne ich sie, in meinem Beitrag: "Rechtschreibung: Wie sich eine Kultur selbst zerstört"). Wo bleiben die Themen: soziale Gerechtigkeit, Wohnen für alle, Verfall der Gewerkschaftskultur und so viele mehr.

Ja, Wagenknecht geht auch auf die Sprache ein, auf Rassismus, Gendern u. ä,, das Buch darauf zu reduzieren wäre jedoch der größte Fehler. Für Wagenknecht ist es ein Indiz, für das Abtriften der "Linksirliberalen" weg von den Themen der "Ur-Linken" hin zu den Livestyle-Themen, derer die sich zeitgemäß in die Rubrik "Linke" einordnen. Zuvorderst die Besserverdiener in "Bündnis 90/Die Grünen", sie haben m. E. mit Links so viel zu tun, wie die FDP, CDU oder SPD.

Mir Lag nur ein Auszug des Werkes vor, aber ich freue mich darauf das ganze Buch lesen und für Euch, liebe Blog-Begleiterinnen und Blog-Begleiter, besprechen zu können.

Noch ein Bonmot:


"Entsprechend wird die Alltagssprache ständig nach Wörtern durchsucht, die irgendjemanden verletzen könnten und die es fortan zu meiden gilt. An ihre Stelle treten dann neue Wortschöpfungen, die zumindest bei den Strenggläubigen unter den Lifestyle-Linken zu einer ganz eigenwilligen Form, sich auszudrücken, führen, die mit der deutschen Sprache nur noch bedingt zu tun hat. Außenstehenden mag sich oft nicht erschließen, worin bei Begriffen wie Flüchtling oder Rednerpult oder in der Bezeichnung als Mutter oder Vater die Diskriminierung besteht beziehungsweise warum sich inmitten linker Texte immer wieder dubiose Sternchen finden, aber wer zum inner circle gehört, der kennt die Regeln und hält sie ein."

Pressestimmen:


Monika Maron, Die Welt, 13. April 2021

Sahra Wagenknechts Buch ist eine Herausforderung für jeden, egal ob er sich für eher links, liberal oder konservativ hält, die eigenen Argumente zu prüfen, die eigenen Überzeugungen zu korrigieren oder auch beizubehalten.

Peter Gauweiler, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. April 2021

Wagenknechts Gegenprogramm ist für eine Wortführerin der Linken ziemlich spektakulär, aber auch ziemlich klar: Wir brauchen im Interesse gerade der unteren sozialen Hälfte der Bevölkerung in Deutschland eine Wiederbelebung der Solidarität mit dem eigenen Land.


Das Buch ist beim "Campus Verlag", Frankfurt am Main, am 14. April 2021, erschienen: ISBN 9783593513904

Es kann auch über eBook.de erworben werden. EAN 9783593446684


Freitag, 3. April 2015

Hermann Hesse: Der Steppenwolf


Nach über 45 Jahren ist es wichtig einmal wieder zu fragen, wo sind die "Steppenwölfe" (geblieben)? Damals waren sie eindeutig. Sie waren "die neuen" Sozialdemokraten um Willy Brandt. Heute haben sie es geschafft, sich des Ballasts der Quer- und Vordenker geschickt zu entledigen und sich im bourgeoisen "Sumpf" ein kleines Eckchen einzurichten.

Später irrte man darin, daß die Jugend zu "idealisiert" sei, um "Steppenwölfe" hervorbringen zu können. Dieser Irrtum wurde durch das Auftauchen der "Grünen" widerlegt. Dort fanden sich neben den Spontis, wie Fischer und Co, auch eine Kelly, Ditfurth und einige andere. Heute beeilen sie sich ihrer bürgerlichen Klientel gerecht zu werden und die SPD rechts zu überholen.

Doch wo finden sich heute die, die Hermann Hesse in seiner Erzählung (Denkschrift) "Der Steppenwolf" beschreibt? Die Quer- und Andersdenker. Die Studenten, wie in den 68ern, können es nicht sein. Die haben mit Politik, Gesellschaft und Nachdenken nichts "am Hut".
Bleiben wir bei den Parteien. Da CDU/CSU, SPD, GRÜNE, FDP und natürlich auch Vereine wie die AfD wegen nachgewiesener, absolutistischer Bürgerlichkeit ausfallen, bleiben nur noch die "Linken". Eine Wagenknecht, ein Gysi oder Lafontaine und andere Querdenker mit einem durchaus bürgerlichen Habitus, passen durchaus in das Bild das uns Hesse beschreibt. Also gibt es sie doch noch man muß sie nur erkennen.

Hesse definiert sie im "Tractat vom Steppenwolf": "Er (Steppenwolf Harry - Anm. d. Autors), der weit über das dem Bürger mögliche Maß hinaus zum Individuum entwickelt ist, er, der die Wonne der Meditation ebenso wie die düsteren Freuden des Hasses und Selbsthasses kennt, er, der das Gesetz, die Tugend und den common sense verachtet, ist dennoch ein Zwangshäftling des Bürgertums und kann ihm nicht entrinnen."

Warum man ein Werk von Hesse nach 45 Jahren einmal wieder lesen sollte, ein Buch das vor 90 Jahren geschrieben wurde? Die Menschen und die Gesellschaft haben sich nur unmerklich verändert...

Hesses Erzählung erschien zum ersten Mal 1927. Das vorliegende Taschenbuch stammt aus dem "Suhrkamp Verlag", Frankfurt am Main, 1955.

ISBN 3-518-36675-0

Zu erhalten bei Amazon und bei Lesen.de.